Gründung durch Heinrich Findelkind 1386
Um das Jahr 1376 hatte Otze, der Meier von Kempten, ein gefundenes Kind, einen Knaben angenommen, den er Heinrich das Findelkind nannte und mit seinen eigenen neun Kindern aufzog. Als aber der Meier einer Bürgschaft wegen abwirtschaftete, mussten die Kinder das Haus verlassen und in der Fremde Arbeit suchen. Heinrich Findelkind nahm seinen Weg den Bodensee entlang Richtung Arlberg zur Burg Arlen in Nasserein bei St. Anton, wo er zwei Priester traf, die nach Rom zogen. Beim damaligen Burgherrn Jakob Überrhein fand Heinrich Unterkunft und Arbeit und durfte als Schweinhirte dem adeligen Herrn am Sonntag das Schwert in die Kirche nachtragen. Heinrich Findelkind musste sehen, wie die verstümmelten Körper durch Schneestürme oder Lawinen verunglückter Wanderer über den Arlberg nach St. Jakob zur Beerdigung gebracht wurden. Da fasste Heinrich den Plan, auf der Passhöhe des Arlbergs eine Herberge zu bauen, um von dort aus den Notleidenden zu helfen. Mit den 15 Gulden, die er als Knecht erspart hatte, begann er seinen Vorsatz auszuführen. Die Erlaubnis zum Bau der Herberge bekam er von Herzog Leopold III von Österreich, der im Jahre 1385 über den Arlberg zog und bei Jakob Überrhein einkehrte. Am 27. Dezember 1385 stellte Herzog Leopold III in Graz die Urkunde aus und hat gleichzeitig seine Landsleute aufgerufen, das Werk Heinrich Findelkinds tatkräftig zu unterstützen. Leider fand Herzog Leopold III am 16. Juli 1386 bei der Schlacht bei Sempach den Tod. Heinrich und sein Knecht Ulrich Nossek von St. Gallen begannen mit dem Bau der Herberge und den "Anfang hub er an anno domini 1386 in der Johannis Baptiste." Im ersten Jahr konnten sie bereits sieben Menschen das Leben retten, in den folgenden Jahren gelang es ihnen, mehr als 50 Menschen zu retten.
Neben der Gewährung von Dach, Feuer und Wasser leistete Heinrich Findelkind auf der Höhe des Arlbergs noch weit mehr. Er und sein Helfer Ulrich Nossek von St. Gallen suchten im Winter täglich Verirrte und Ermüdete im Bereich von der Passhöhe bis hinab ins Stanzertal ins heutige St. Anton. Sie erhielten von Papst Bonifaz IX den Gnadenbrief zum Bau einer Kapelle und es wurden viele Ablassbriefe ausgestellt. Heinrich und seine Helfer benötigten zur Führung der Kirche und Herberge Geld und so legten sie Botenbücher an, mit denen sie in ganz Europa neue Mitglieder warben und Spenden sammelten und im Sommer über die Lande zogen. Es wurden in diese Bücher die Spender und Gönner als Mitglieder der Bruderschaft eingetragen mit dem Wappen, Namen und Höhe der Spende und eventueller kleiner Erbschaft.
Die Eintragungen in den drei noch vorhandenen Botenbüchern der Bruderschaft zeichnen die Wege ab, welche Heinrich und seine Helfer vor 625 Jahren durch Europa gewandert sind. Äußerste Punkte dieser Wanderungen waren Italien, das reiche Sizilien, Böhmen, Polen, Norddeutschland, die Niederlande und die Schweiz. Beim Tod Heinrich Findelkinds - um das Jahr 1430 - das genaue Datum ist unbekannt, soll die Bruderschaft an die 2000 Mitglieder gezählt haben.
Der Maler Virgil Raeber aus Sterzing berichtet im Jahre 1548 von 5 Wappenbüchern, die in St. Christoph liegen und schreibt, er sei ein Liebhaber und Erkundiger der Wappen und hat mit viel Liebe und Mühe die Wappenschilder abgezeichnet aus den Büchern, die in St. Christoph liegen. "Wellicher Buecher fünf sein, gar allte Scarteggen, zerprochn, zum tayl zerrissen und ausseregeschnittn pletern, auch schiltten und zerprochenen Copertpretern, ganz schmutzig und ubl ghaltn." Heute gibt es noch drei Originale, und zwar:
den Codex Figdor, die Tiroler Handschrift, im Ferdinandeum in Innsbruck die Münchner Handschrift im Privatbesitz des St. Georg Ritter Ordens in München und das Hauptbuch im Wiener Haus-Hof und Staatsarchiv am Minoritenplatz in Wien.
Daneben gibt es noch zwei Abschriften, ein Codex in der Österreichischen Nationalbibliothek und eine aus dem 16. Jahrhundert stammende Abschrift des momentan verschollenen Buches "ARLPERG" im Niederösterreichischen Landesarchiv in St. Pölten.
Und es gibt das Buch von Otto Hupp: Die Wappenbücher des deutschen Mittelalters: Band I "Die Wappenbücher vom Arlberg", Erster Teil: die drei Originalhandschriften von St. Christoph auf dem Arlberg aus dem Jahren 1394 bis rund 1430.
Ein Großteil dieser Bücher sind auf der homepage unter www.bruderschaft-st-christoph.org unter "Wappenbücher" zu sehen.









