Kaiser Josef II und die Folgezeit
Mit dem Tod der Kaiserin Maria Theresia, sie starb 1780, ging es auch mit der Bruderschaft zu Ende. Der Sohn Maria Theresias, Kaiser Josef II., löste im Zuge seiner großen Neuerungen auch die St.-Christoph-Bruderschaft auf. 1783 säkularisierte er die Bruderschaft und damit fiel sie 180 Jahre lang bis 1962 in einen Dornröschenschlaf.
Der seinerzeitige Salzfaktor und Pächter des Hospizes, Michael Matt, kaufte im Jahre 1792 das an den Staat gefallene Hospiz um 1756 Gulden zurück und wurde somit erster privater Besitzer des Hospiz zu St. Christoph.
Für das Hospiz folgte - unterbrochen vom napoleonischen Krieg eine kurze Blütezeit, welche jedoch nur bis ca. 1850 währte. Der Bau der bayerischen Eisenbahnen sowie anderer - den Arlberg umfahrenden und günstigeren Straßen - brachte für den Arlbergverkehr und damit für St. Christoph den Niedergang. Die zusehends schlechter werdende Lage ist auch aus der Geschichte der Hospizwirte ersichtlich.
Den letzten Rest von Reisenden hatte die neue Arlbergbahn ab 1884 der Straße abgenommen. Das oft leerstehende Gebäude diente als Unterkunft für fahrendes Volk und Wanderer.
Im Sommer 1898 wurde das Hospiz durch einen gemeinsamen Beschluß der Tiroler und Vorarlberger Landesregierung wieder instand gesetzt und der Postwirt von St. Anton verpflichtete sich, das Hospiz gegen eine ihm von beiden Ländern auszuzahlende Subvention zu bewirtschaften. Im Herbst 1898 übernahm Oswald Trojer die Bewirtschaftung als Pächter.
Mit der Jahrhundertwende kam ein unerwarteter, aber umso erfreulicherer Aufschwung. Schon seit einigen Jahren waren einzelne Schifahrer auf den Arlberg gekommen und hatten hier ihre Spuren in den Tiefschnee gezeichnet, sie übernachteten im Hospiz.
Am 3. Jänner 1901 gründeten der Postwirt Carl Schuler, der Gemeindearzt Adolf Rybicka, der Hospizpächter Oswald Trojer, seine Tochter Lisl Trojer, Josef Schneider, Ferdinand Beil und Fritz Gerstel den Skiclub Arlberg.
"DURCH DIE NATUR ENTZÜCKT, DURCH DEN SPORT BEGEISTERT, DURCHDRUNGEN VON DER NOTWENDIGKEIT, AM ARLBERGE EINEN BESCHEIDENEN SAMMELPUNKT FÜR FREUNDE DIESES EDLEN VERGNÜGENS ZU SCHAFFEN, FÜHLTEN SICH DIE AM EX TEMPORE BETEILIGTEN AUSFLÜGLER BEWOGEN, DEN SKICLUB ARLBERG ZU GRÜNDEN."
Auch das ehrwürdige Kirchlein erfuhr eine Renovierung. Der Bildhauer Alois Gröbner aus Pettneu ergänzte die Füße der Christophorusstatue, welche, wie bereits erwähnt, in der Vergangenheit von den "SCHWABENKINDERN" stark abgeschnitzelt wurden. Sie hatten die Holzsplitter gegen Heimweh ins Schwabenland mitgenommen.
Noch vor dem Ersten Weltkrieg wurde das Hospiz von Ottilie Fritz, der später verheirateten Frau Kusche, aus Bings bewirtschaftet. In Bings wurde diese Frau als die Christoph Tante bezeichnet.
Im Jahre 1929 wurde das Hospiz ausgebaut und erhielt 20 Fremdenbetten mit Zentralheizung, die Planung erfolgte durch Architekt Clemens Holzmeister.
In den Jahren 1935 und 1936 fanden in St. Christoph die ersten Autoweihen statt. Sie wurden vom damaligen Bischof Dr. Siegmund Weitz vorgenommen. Ab 1938 waren Autosegnungen aus politischen Gründen nicht mehr möglich.
Die Besitzer des Hospiz waren ab 1929 das erwähnte Paar Karl und Ottilie Kusche, welches in St. Anton auch das Hotel Alpenrose führte. Da ihr einziger Sohn Walter Christoph im Jahr 1941 vor Leningrad fiel, verkaufte die Familie Kusche das Hospiz an die Familie Canal in Imst.
Im Jahre 1955 wurde das Hospiz vom Feldkircher Industriellen Arnold Ganahl gekauft. Aus unbekannten Gründen brannte das ehrwürdige alte Hospiz samt Kirchlein in der Nacht vom 6. auf 7. Jänner 1957 ab. so schmerzlich der Verlust der alten Kapelle und der Hospizes auch war, so war dieses Ereignis doch das Signal für einen neuen Anfang.
Hospiz und Kapelle lagen in Schutt und Asche. Von den altehrwürdigen Bauten blieben nur die Außenmauern von der Kapelle stehen und das Kellergewölbe.
Während das neue Hospizhotel in den folgenden Jahren von 1957 bis 1959 - nach Süden abgerückt - wieder aufgebaut wurden, blieb die Kapelle vorerst noch Ruine.










